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An: Heiko.Teegen@pilotundflugzeug.de Betreff: "Test" Merdian in PuF 01/02 von Dr. Christian Hollenberg Lieber Herr Teegen, nun sieht es ja wirklich so aus, als ob die kleinen Turbinen-Einmots endgültig die Nachfolge der dinosaurierhaften Kabinentwins antreten. Um so erfreulicher, daß Sie der neuen Meridian nur Gutes abgewinnen können. Ihrem "Testbericht" über die Meridian fehlen aber einige wichtige Hintergrundinformationen, und in einigen Details ist er sachlich so nicht richtig. Zunächst: Nach meinen Unterlagen sind 99 Meridian gebaut, aber nur rund 76 wirklich verkauft. Der Rest verstopft als Lagerbestand das Händlernetzwerk. Wer heute eine Meridian neu kauft erwirbt daher ein Muster, bei dem fast 25% des Bestandes schon wieder auf dem Markt gelandet bzw. nie vom Markt aufgenommen worden sind. Das ist eine ungesunde Relation; 10%, so die alte Faustregel aus Händlerkreisen, gelten eher als gesunde Zahl. Das Problem ist dabei nicht das Marktsegment der Einmot-Turboprops an sich, das relativ gut läuft. Vielmehr liegt das Problem der Meridian im massiven Verlust von Marktanteilen an Jetprop. Mehr als jeder zweite potentielle Meridian-Kunde hat sich bisher für den Jetprop entschieden - eine für Piper beunruhigende Entwicklung. Jetprop hat bisher mindestens 85 Exemplare verkauft, und nur 9 davon (11%) sind bisher wieder auf dem Gebrauchtmarkt aufgetaucht, obwohl viele Jetprop-Kunden zunächst doch eigentlich nur die Zeit bis zur Auslieferung ihrer bereits bestellten Meridian überbrücken wollten. Der Markt hat sein Urteil offenbar gefällt. Woran liegt das? Offenbar sind die Kunden in der Mehrzahl nicht
der Meinung, daß die wirklichen oder vermeintlichen
Vorteile der Meridian es rechtfertigen, annähernd
50% mehr zu bezahlen, als sogar eine noch relativ
junge Mirage mit Jetprop-Umrüstung kosten würde.
Der Jetprop-Umbau kostet nämlich keineswegs, wie
Sie fälschlich schreiben, 650.000 Dollar, sondern
499.000. Selbst wenn Sie eine recht neue Mirage als
Basis nähmen (was weder nötig noch, wegen der geringeren
Zuladung, unbedingt vorteilhaft ist), würde es sich
sogar noch lohnen, das Meggitt-EFIS nachzurüsten,
wenn es dafür ein STC gibt. Das Engine Trend Monitoring
System mit Air Data Computer hat der Jetprop ja schon,
ist hier also auf Meridian-Standard. Ihre Performancevergleiche stimmen in wesentlichen Teilen nicht. Ohne hier in Details gehen zu können: Der Jetprop hat im Vergleich zur Meridian die wesentlich bessere Runway- und Climbperformance. In allen anderen Disziplinen (Cruise, Payload, Range) ist er der Meridian ebenbürtig oder leicht überlegen (Range), oder stellt deren Kennzahlen innerhalb von 4% (Cruise) bzw. 60-80 Pounds (Payload- stark vom Baujahr und der Ausrüstung abhängig) ein. Wenn Sie das aus dem Jetprop-Handbuch nicht herauslesen können, konsultieren Sie doch einfach mal die realen Aufzeichnungen eines Jetprop-Halters aus dem Shadin Air Data System der Maschine, diese Daten sind ja elektronisch präzise gespeichert vorhanden. Für das eher enttäuschende Abschneiden der Meridian im Vergleich zum Wettbewerb gibt es drei Gründe: Die im praktischen Einsatz erheblich sparsamere (und leichtere) Turbine des Jetprop, das geringere Gewicht von Zelle und Systemen, sowie das effizientere (allerdings in der Bedienung auch etwas anspruchsvollere) Ram Air Induction System des Jetprop. Zwar hat die Meridian 22 Gallonen oder 15% mehr Fuel Capacity als der Jetprop, aber die gehen vollständig für den wesentlich höheren Fuel Flow (High Speed Cruise in FL 250: 19% mehr) und den längeren Steigflug drauf. Dabei ist die Meridian im oberen Luftraum praktisch nicht viel schneller, der Unterschied liegt bei eher akademischen 4%. Nur in geringen (und für einen Turboprop im Normalfall uninteressanten) Höhen ist die Meridian allein dank ihrer höheren Vmo bis zu 9% schneller. Auch ist der Idle bzw. Descent Fuel Flow bei der Meridian höher; die dort verwendete PT6A-42 Turbine ist eben kein Vertreter der Pratt $ Whitney "small series" mehr wie die PT6A-34 beim Jetprop, sondern arbeitet mit einer doppelstufigen Arbeitsturbine und einem stärkeren Gasgenerator. Die rund 20% höhere thermodynamische Leistung bei der Meridian und der (offenbar im Interesse der einfacheren Bedienung vorgenommene) Verzicht auf ein Ram Air System fordern hier ihren Tribut.
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